Viertausender der Alpen

Die Viertausender der Alpen
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  Matterhorn (4477 m)  
  Walliser Alpen  
Photo © 4000er.de
Erstersteigung 14.7.1865
Edward Whymper, Douglas R. Hadow, Charles Hudson, Francis Douglas, Michel-Auguste Croz, Peter Taugwalder, Peter Taugwalder
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GPS-Koordinate 7.65849° ö.L. /45.9765° n.B. (WGS84) mehr Infos
Normalweg(e) Hörnligrat (Nordostgrat)  
Schwierigkeit ZS+, III-
Ausgangspunkt Hörnlihütte (3260 m)
Talort Zermatt (1610 m)
Liongrat (Südwestgrat)
Schwierigkeit ZS+, III+
Ausgangspunkt Rifugio Jean Antoine Carrel (3829 m)
Talort Breuil (2068 m)
Weitere Routen Zmuttgrat (Nordwestgrat)  
Schwierigkeit S, III+
Ausgangspunkt Hörnlihütte (3260 m)
Talort Zermatt (1610 m)
Führer Hochtouren im Wallis  
Hermann Biner

Walliser Alpen  
Michael Waeber

Guide du Valais  
Hermann Biner

Valais Alps West  
Lindsay Griffin
 
Karte(n) SLK 5006
Zusammensetzung Matterhorn-Mischabel
Landeskarte der Schweiz, 1:50000

SLK 1347
Matterhorn
Landeskarte der Schweiz, 1:25000
Beiträge Matterhorn Hörnligrad mit Bergführer (30.08.2011)
Besteigungsbericht

Ein etwas ausführlicher Bericht damit es anderen nicht so ergeht wie uns.
Wer auf das Matterhorn möchte sollte sich überlegen ob er mit einem ortskundigen Bergführer den Gipfel erreichen möchte oder lieber alleine sein Glück versuchen will. Über 800 Tote, Unzählige Bergsteiger haben versucht den Gipfel zu erreichen aber bei weitem haben es nicht alle geschafft. Dazu kommt noch die äußerst schwierige Orientierung gerade im unteren Bereich nach dem Einstieg bis zu den Mosleyplatten. Da es ja keine Bergkameradschaft mehr gibt „beschützt“ ein Bergführer auch irgendwo seinen Gast gegen vor manch rüpelhaften „Bergkameraden“. Dies waren die Gründe warum wir, mein Sohn und ich, uns für einen Bergführer entschieden haben. Dagegen sprachen die enorme Kosten und dass man es nicht alleine gemacht hat. Wir haben uns trotzdem für einen Bergführer entschlossen. Schließlich steht bei aller Freude am Bergsteigen die Sicherheit in Vordergrund. Konditionell gut vorbereitet sind wir die 780 km vom Chiemgau nach Zermatt gefahren, haben dort eine Eingehtour auf einen 4000er gemacht und sind dann 2 Tage später nach Absprache mit dem in Zermatt ansässigen Alpincenter (AC) zur Hörnlihütte (3260m) aufgestiegen die wir so gegen 14:00 Uhr erreichten. Einchecken ab 15:00 Uhr, wir wurden vorher angemeldet (AC) und erwartet. Also langweilten wir uns erst einmal stundenlang auf der Terrasse, beobachteten das Treiben und gegen Abend unternahmen wir eine Erkundung über den Einstieg zur Route und noch etwas darüber hinaus. Immer mehr Bergsteiger und Bergführer kamen in die Hütte und so gegen 18:00 war die Hütte gut gefüllt. Die Sitzplätze in der Gaststube sind wie folgt aufgeteilt: Die Hälfte aller Plätze für die „richtigen“ Bergsteiger, ein Viertel der Plätze für die Bergsteiger die einen Führer brauchen und ein Viertel der Plätze für die Bergführer. Abgetrennt durch einen Raumteiler saßen wir nun auf den uns angedachten Plätzen und warteten nun bis einer der Bergführer Kontakt mit und aufnahm wie es durch das AC angekündigt war. Es war alles andere als ein schönes Gefühl, die „richtigen Bergsteiger“ waren unter sich und warfen uns immer wieder mal einen verächtlichen Blick zu, die Bergführer in froher Laune beachteten und erst gar nicht. Nach dem Abendessen, 19:00 Uhr (5 Stunden nach Ankunft) kamen dann die 2 uns zu geteilten Bergführer, kurzes Vorstellen, Ausrüstungscheck und die Absprache für den nächsten Tag, das war es dann.
04:30 Uhr sollte man Aufstehen, 04:50 Uhr nach sehr einfachem Frühstück startklar sein. Bis 03:00 Uhr musste jeder von unserem 20 Betten Matratzenlage mal zum Pieseln und danach ging die „Rödelei“ los. An Schlaf war also überhaupt nicht zu denken. Ich betone dies deshalb weil die Hütte abgesperrt war und erst ab 05:00 Uhr auf geschlossen wurde, was im Vorfeld bekannt war. Die ganze Unruhe in der Hütte war vollkommen umsonst. Da zeigte sich wieder einmal wie „Bergkameradschaft“ heutzutage praktiziert wird.
04:50Uhr wir waren startklar unsere Bergführer hatten uns schon in der Gaststube eingebunden und so ca. 50 Leute drängelten und drückten gegen die Ausgangstür, die abgeschlossen und „bewacht“ wurde. Dann endlich nach Abzählen 5 4 3 2 1 wurde aufgeschlossen und der „Wettkampf“ begann. Alles rannte, stolperte im Stirnlampenlicht zum Einstieg (3 Minuten von der Hütte entfernt) , wo es natürlich zum ersten Stau kam. Wir hatten Glück und waren im vorderen Drittel so dass wir nicht lange warten mussten um uns an den Fixseilen und Einstiegsfelsen hoch zuziehen. So hatten wir uns das nicht vorgestellt obwohl wir uns im Vorfeld bei der Planung auch darüber informierten. Als unsere Bergführer uns den Abend zuvor sagten wir müssen spätestens in 2 bis 2 ½ Stunden an der Solweyhütte ( 600 HM) sein, sonst kehren sie wieder um, glaubte ich dass sie einen Spaß machten. Nun wusste ich dass es ernst gemeint war und genauso zackick ging es aufwärts, kaum mal eine Zeit für ein Foto, von einem kleinen Vidoeclip ganz zu schweigen. Wir schafften die 2 Stunden und brauchten für den ganzen Aufstieg genau 4 Stunden. Mit 2 kleinen Pausen, eine an der Solwayhütte und einmal zum Steigeisenanziehen nach ca. 750 Höhenmeter. Ganz ohne Blessuren ging es allerding nicht. Eine Bergsteigerin, im Abstieg, stand mit ihren Steigeisen in meinem Oberschenkel, weil ja alles rasend schnell gehen muss, wenigstens bekam ich noch im Vorbeiklettern noch ein „Entschuldigung“ zu hören. Die Narben der 4 Löcher werde ich wohl noch eine Weile haben. Um 09:00 Uhr waren wir also auf dem Gipfel, aber so eine richtige Freude wollte nach dem Erlebten nicht aufkommen. Nach einer Gipfelrast von ca. 5 Minuten ging es bei allerbesten Wetterbedingungen wieder hinunter. Es ist ja alles abzuklettern, wobei ich mir da auch etwas schwer tat. Wann klettert man schon mal ab, entweder es geht zu Fuß wieder runter oder es wird abgeseilt. Ich hatte den Eindruck dass unsere Bergführer etwas genervt waren weil wir ebenfalls 4 Stunden für den Abstieg brauchten. An dieser Stelle fass ich mal die Zeit zusammen. 4 Stunden hoch und 4 Stunden wieder runter und dass bei 1218 HM leichtes klettern in Fels und Eis, dabei ca. 500 HM mit Steigeisen hoch und runter. Wer also nicht konditionell nicht fit ist, braucht erst gar nicht mit einem Bergsteiger aufsteigen. Ich betone an dieser Stelle „ Bergführer“. Wir waren um 13:00 Uhr wieder an der Hörnlihütte. Am Abend zuvor sahen wir dass auch um 19:00 Uhr noch Bergsteiger abkletterten. Warum also diese Hektik und Eile? Ich habe da nur eine Erklärung: Wir waren 2 von XXX Touristen! Bergführer machen ihren Job und möchten so schnell es geht wieder unten sein, schließlich wartet ja schon der nächste Gast. Die ausgehändigte Urkunde bei der Verabschiedung bestätigt meine Vermutung (am liebsten hätte ich sie gleich wieder in die Mülltonne geworfen). So können sie bei 2 bis 3 Bier im Sonnenschein auf der Hüttenterrasse noch einen schönen Nachmittag verbringen (selbst gesehen). Soweit alles ok, ja wenn da nicht die enormen Preise wären.
Jeder Bergführer nimmt nur einen Gast mit, 1100 Euro, dazu kommt 1x Vollpension für den Bergführer und für sich selbst 150 Euro (mit DAV Ausweis). Nun sollte man aber wissen dass es auf der Hörnlihütte kein Wasser für die Gäste gibt. 80 Leute kommen verschwitzt jeden Tag hoch, 2 Toiletten (die sauber waren) dazu noch eine Außerhalb, die will man nicht wirklich gesehen haben), kein Wasser für Zähneputzen oder mal Händewaschen, Waschräume sind gesperrt, Matratzenlager für 20 Personen. Ich meine da sind 75 Euro schon ein stolzer Preis, selbst bei diesen Bedingungen. Als Alternative kann man Wasser kaufen. Über die Hüttengetränkepreise will ich jetzt erst gar nichts schreiben.
Fazit:
Wir waren auf dem Gipfel des Matterhorns, einem Berg von dem wir immer geträumt haben. Er ist zum Massentourismus geworden, wovon wir gehört haben uns das aber so nicht vorgestellt haben. Nicht alle haben an diesem Tag den Gipfel erreicht obwohl die Wetterbedingungen optimal waren. Wäre der untere Teil der Tour nicht ein derartiges Labyrinth, würde ich sofort wieder zum Matterhorn fahren und alleine aufsteigen, so aber liegt die größte Gefahr des Berges, wenn die Kondition und das Wetter passt, bei der Orientierung. Vom Klettern her gesehen gibt es keine Problem, man weiß ja dass es bis III geht und das sind nur ganz kurze Stellen.
Mein Tipp:
Egal ob mit oder ohne Bergführer, Kondition ist ein absolutes Muss. Wenn man mit einem Bergführer zum Gipfel möchte sollte man sich vorher besser informieren als wir es gemacht haben. Nichts gegen die 2 Bergführer die wir hatten, sie waren absolut verlässlich, korrekt und freundlich. Wir haben uns sicher gefühlt! Ich denke aber dass es auch noch andere Bergführer in dieser Region gibt die sich und dem Gast mehr Zeit geben dass das Besteigen des Matterhorns zu einem grandiosem Bergerlebnis wird und nicht wie bei uns zu einem sportlicher Wettkampf gegen die Zeit abgestempelt wird. Mir ist das Erlebnis Berg viel zu kurz gekommen, ich hätte gerne mal inne gehalten ein paar Fotos gemacht, hin und wieder einen kleinen Videoclip aufgenommen. Schließlich hat man sich ja jahrelang auf den Berg gefreut und möchte das Erlebte noch lange in Erinnerung haben.
So muss ich leider sagen: ABGEHAKT! Schade!



nach 4 Stunden auf dem Gipfel

Beitrag von: Rainer Jost
04.09.2011
Hörnligrat im Oktober (11.10.2008)
Besteigungsbericht

Hat man diesen Berg einmal aus der Nähe gesehen, dann will man auch irgemdwann mal dort rauf. Im Sommer, solange die Hörnlihütte bewartet ist, macht der gleichnamige Grat kein Spass, wie man schon aus zu viele Geschichten gehört hat. Also entweder Zmuttgrat, Furggengrat oder außerhalb der Bergführersaison.
Wir sind bei Sonnenaufgang am 11. Oktober zum Hörnligrat aufgebrochen. Nur zwei weitere Seilschaften (mit Bergführeren aus Chamonix) waren im Winterraum der Hörnlihütte, die am gleichen Tag die Norwand durchstiegen haben. Der Ofen des Winterraums war mit schweren Eisen gesichert und auch sonst war er im Vergleich mit anderen Schweizer Winterräumen, die in der Regel ja super sind, schlecht ausgestattet.


Klassischer Anblick eines genialen Berges

Im unteren Teil hat es etliche Wegspuren, die einen in die Irre führen können. So sind wir auch nach längerem Suchen eine bröselige Rinne hoch, bis wir wieder auf die richtige Route kamen mit den von vielen Steigeisen und Bergschuhen polierten Felsen. (Man darf unten im Geröll, wo es noch ein Pfad hat nicht immer weiter nach links queren, sondern muss irgendwann den Spuren, die nach rechts Richtung Grat führen folgen). Die Steigeisen haben wir am kompletten Grat angehabt, weil es doch einiges an Firn in der Ostwand hatte, der aber gut zu gehen war.



links: Blick zur Hörnlihütte; recht: Blick nach oben mit Solvayhütte

Am gelblichen Band sind wir dann, auch bedingt durch den Firn, nicht weit genug nach links gequert auf die Rippe und zu direkt über etwas unangenehme Platten nach oben geklettert.


Untere Moseleyplatte vor der Solvayhütte (mit Hubschrauber)

Eigentlich hatten wir mal überlegt die Fixseile im oberen Teil zu vermeiden und alles frei zu klettern. Dieser Vorsatz ist dort oben, dann aber schnell vergessen. Da hätten wir schon 2-3 Stunden früher aufstehen müssen. Das Hochziehen an den Tauen geht zwar schnell, ist aber ungemein anstrengend. Zum Schluss gabs dann noch ein recht steiles Firnfeld zur Statue hoch. Obwohl wir alles seilfrei gegangen sind, haben wir durch veschiedene Verhauer und vielleicht nicht ganz optimale Fitness 6,5h zum Gipfel benötigt. Dort oben zu stehen ist schon der Hammer!


Fixseile nach der Schulter

Im Abstieg gings anfangs noch recht flott, doch dann wurden wir müde und begannen Abzuseilen. So kams dann, dass wir an der Solvayhütte entschieden, den Abstieg erst am nächsten Tag fortzusetzen. Klar, normlaerweise ist die Hütte für Notfälle und Leute, die die schweren Touren am Horn machen. Aber es waren keine weiteren Leute am Hörnligrat und zwei Seilschaften in der Nordwand, die noch eintreffen würden. So dass wir mit der Matratze aus dem hinteren Raum genau 6 Schlafplätze hatten. Besondere Gag ist der schwere Eisendeckel der Toilette, den man irgendwie festhalten muss, wenn man diesen etwas unschönen Ort benutzen wollte. Aber die Solvayhütte ist natürlich ein extremer Sicherheitsgewinn für die Ersteiger des Matterhorns.


Kreuz am Italienergipfel

Beitrag von: Markus Disch
15.10.2008
Matterhorn-Hörnligrat (28.08.2007)
Besteigungsbericht

Das Matterhorn war bisher nie wirklich ein Thema für mich gewesen.

Schon früher hatte ich von der besonderen Hektik und dem Andrang die an diesem Berg vorherrscht gelesen und gehört.

All das schreckte mich bisher ab und tatsächlich brachte erst mein Führer den Berg ins Gespräch, da er sich infolge der Bedingungen, die in den Tagen vor unserer Besteigung vorherrschten, plötzlich wieder anbot.

Noch eine knappe Woche zuvor war das Horn stark verschneit, wie man auf den Bildern der Dent Blanche-Tour gut erkennen kann.

Also einigten wir uns auf einen Besteigungs-Versuch des Matterhorns wenngleich ich danach eine schlechte Nacht hatte. Ich war mir nicht sicher, ob ich es von der klettertechnischen Seite her packen würde.

Wir trafen uns am frühen Abend auf der Hörnlihütte und die war ziemlich gut belegt. Schätzungsweise 30 Zweierseilschaften befanden sich am Abend im Speiseraum und es war recht hektisch und laut.

Noch nie habe ich auf einer Hütte oder an einem anderen Berg eine solche Teilung der Anwesenden Bergsteiger in "Personen mit und ohne Bergführer" erlebt.

Die einheimischen Führer haben einen eigenen Sitzbereich (Stammtisch) an dem auch deren Klienten platznehmen dürfen. Der Rest der Hüttenbenutzer hat dort nichts zu suchen.

Am Morgen ist die Hüttentüre zunächst verschlossen und die Führer sammeln sich gegen 4:45 mit den bereits angeseilten Klienten vor dieser Türe.

Andere Gruppen die versuchen sich dort ebenfalls aufzustellen werden knallhart abgedrängt oder mit klaren Worten zum Verlassen dieser Zone aufgefordert.

Wenn die Türe dann geöffnet wird bricht der Sturm der "Bergführerseilschaften" richtig los.

Auf den ersten Metern hinter der Hütte, wo es sofort mal steil hinauf geht, wird zum Teil noch hektisch überholt und gedrängelt, denn danach gibt es nirgendwo mehr eine Chance, andere langsamere Seilschaften zu überholen. Am ersten Aufschwung hatte ich schon einen 180er Puls (geschätzt)

Alle Führerlosen müssen sich zwangsläufig hinten einreihen und an den kritischen Stellen mit langen Wartezeiten und Steinschlag rechnen.

So ist die Realität am Matterhorn; ich hatte ja mache Geschichte gehört, doch das Erlebte hätte ich nicht für möglich gehalten.

So, nun aber die Bilder:


Das Horn aus der Nähe: ab 4000m ist der Berg durchgehend weiss



Untere Moseleyplatte, die Solvayhütte ist zu sehen (4003m) Steigeisen an!



Am unteren Rand der Schulter; viel Schnee aber Dank der Eisen guter Halt



Blick von der Schulter in die winterliche Matterhorn-Nordwand



Die ersten Fixseile am Dach; ab hier sehr steil und teilweise heikle Blankeisstellen



In den Fixseilen; diese Stellen empfand ich persönlich als die anstrengensten der ganzen Tour



Ein Moment der Besinnung und Ehrfurcht auf dem Gipfel!



Das obligatorische Gipfelbild!



Bereits wieder auf dem Weg nach unten

Für den Abstieg haben wir 3h benötigt und da ist eine Rast an der Solvayhütte mit enthalten.

Um nachfolgende Seilschaften beim Aufstieg so wenig wie möglich zu behindern, seilten wir an den meisten Seilstücken ab, ohne die Fixseile zu benutzen.

Dennoch waren an diesem Tag von den gestarteten 30 Seilschaften nur 12 Paare auf dem Gipfel, die anderen mussten abbrechen.


Tiefblick über den Hörnligrat in die Tiefe



Blick nach oben auf Ostwand und Gipfelkopf; hinter uns folgen noch zahlreiche Seilschaften



Das Wetter verschlechtert sich zusehens



Mein Führer bei der Arbeit



Blick von der Solvayhütte in die Ostwand und auf den schwierigen Furgg-Grat







Kurz vor Erreichen der Hörnlihütte bricht der Regen los.
Doch schon mach 30 Minuten verzieht sich das erste Gewitter des Tages und gibt noch einmal den Blick auf das Horn frei.

Nun wusste ich, warum wir es unterwegs zügig angehen ließen, die Wetterverschlechterung war im Zeitplan fest programiert gewesen und es hat zum Glück auch gut gepasst.



Zum Dank der erfolgreichen und gesunden Rückkehr ein Stein an das Gedenkkreuz zwischen Schwarzsee und Hütte



Und ein letztes Bild von uns; am Schwarzsee hat uns die Zivilisation wieder

Das Matterhorn ist sicher ein Bergerlebnis der besonderen Art aber ist ist auch ein Berg, den man einmal aber nicht unbedingt irgendwann nochmal besuchen muß.
Es sei denn man wagt eine der schwierigeren Routen auf diesen Ausnahmeberg.

Noch eine Bemerkung am Rande:

Wer das Matterhorn ohne Führer machen möchte, der sollte über gute Wegkenntnisse verfügen, denn gerade am Morgen ist es superschwer die richtige Route zu finden. Viele hoffen darauf im Windschatten einer Führerseilschaft nach oben geleitet zu werden, doch das funktioniert nur mit viel Glück und guter Klettergeschwindigkeit. Wer einmal abgehängt worden ist hat Probleme und die nehmen bis zur Solvayhütte stetig zu.

Das Geld für einen guten Führer ist meiner Meinung nach gut angelegt, ich jedenfalls würde den Berg niemals "OHNE" empfehlen!!
Und eines noch: Auf dem Gipfel beginnt die Tour nochmal von vorne, dass sollte man NIE vergessen!!!

Gruss garaventa

Beitrag von: Frank Frentzen
08.10.2007
"... und irgendwann ruft das Matterhorn." (05.09.2005)
Besteigungsbericht

So richtig los ging es, nachdem ich das Buch „Die Viertausender der Alpen“ verschlungen hatte. Anfang Juli 97 stehe ich auf dem Gipfel des Weissmies. Mein kleiner „Bergbazillus“ tobt vor Freude! Im August 98 halte ich mich am Gipfelkreuz des Dom fest. Verdammt harter Brocken! Nachdem ich mehrere Viertausender in den Walliser Alpen teils solo, teils mit Bergführer, erobert hatte, erlebte ich das, was schon so viele Alpinisten vor mir erfuhren: Irgendwann ruft das Matterhorn!
Im August 2002 fahre ich nach Zermatt und stehe zum ersten Mal vor dem „Berg der Berge“. Zwei Tage später Aufstieg zur Hörnlihütte. Nachts um 4 Uhr Gewitter und Neuschnee! Das war’s.
Zweiter Anlauf: Ich buche für die erste Augustwoche 2005 ein Zimmer in Zermatt. Am 1. August beginnt der Dauerregen im Wallis. Ab 2000 Meter liegt Neuschnee. 20 Zentimeter! Das Matterhorn glänzt in einem weißen Schneekleid wie im tiefsten Winter. Und – der Schnee bleibt liegen!
Langsam reicht es mir!
Einen Monat später bin ich wieder in Zermatt! Die Wetterprognosen sind optimal. Selbst Kachelmann sagt gutes Bergwetter voraus. Beim Abendbrot auf der Hörnlihütte piept mein Handy: “Du schaffst es!“ schreibt meine Frau Ulrike. Morgen, am 5. September, hat sie Geburtstag. Ich plane 5 bis 6 Stunden für den Aufstieg und kündige meine Glückwünsche vom Gipfel für 10.30 Uhr an.
4.30 Uhr - Frühstück auf der Hörnlihütte: Bekanntes, morgendliches Hüttenchaos! Knapp einhundert Menschen wollen an diesem 5.September 2005 auf das Matterhorn!
Miggi Biner, mein 32-jähriger Bergführer aus Zermatt, wartet schon ungeduldig. Wir treten vor die Tür. Kein Regen! Kein Schnee! Ich kann es kaum glauben. Los geht’s. Nach zehn Minuten der sogenannte „Einstieg“ – eine mehrere Meter hohe fast senkrechte Wand und das erste Fixseil. Miggi ist zufrieden. Die nächsten Stellen sind nicht leichter. Klettern, klettern, klettern...

Miggi drängt auf Tempo. Nach einer Stunde wird es hell. Langsam steigt die Sonne über dem Monte- Rosa- Massiv empor. Unter meinem Steinschlaghelm staut sich der Schweiß, läuft ins Gesicht. Keine Hand ist frei.
Ich kämpfe mit mir, bin am Ende. Will eine ganz kurze Pause! Bitte Miggi einmal, bitte noch mal, bitte ihn verzweifelt noch einmal...
Aber Miggi Biner will jetzt keine Pause!
Wir nähern uns der 4000 Meter – Grenze. Die Luft wird dünner. Der lästige Reizhusten, den ich seit drei Wochen mit mir herumschleppe, hat mich geschwächt.
Es wird immer steiler. Als ich Miggi erneut um eine kleine Verschnaufpause bitte, bleibt er stehen, dreht sich um und wettert: “Erich, wir wollen gemeinsam auf den Gipfel und heute noch zurück! Also los!“




Erich Wangerin beim Aufstieg am Hörnligrat

Kurz nach 7 Uhr erreichen wir die Solvey-Hütte. Halbzeit. Miggi genehmigt fünf Minuten Pause!
Wenn die Zermatter Bergführer spüren, dass ihr Partner am Seil Schwierigkeiten mit der Kondition hat, kehren sie spätestens hier um. Miggi hatte vorhin so eine komische Andeutung gemacht. Ich werde unruhig. Doch es geht weiter! Jetzt kommt die schwierigste Passage: 200 Meter fast senkrechte Wand! Fixseile. Stau. Drei Seilschaften quälen sich vor uns die Wand empor. Zeit zum Durchatmen. Mir geht es wieder besser. Noch zwei Traubenzucker, ein Schluck aus der Trinkflasche, dann sind wir dran. Es geht besser, als ich dachte! Miggi ist wieder zufrieden mit mir.

Gegen 8.30 Uhr erreichen wir das Gipfeldach. Mit Steigeisen geht es durch gefrorenen Schnee. Das liegt mir gut, das kann ich. „Miggi, wie lange noch?“ „Halbe Stunde.“ Jetzt weiß ich, dass ich es schaffen werde!




Geschafft! Erich Wangerin und Miggi Biner auf dem Gipfel

Die letzten Schritte bis zum Gipfel gehe ich wie im Traum. Geschafft! Um 9.13 Uhr, nach knapp viereinhalb Stunden, stehen wir auf dem Gipfel!
Miggi gratuliert schmunzelnd: „Das war schon ganz gut, Erich. Na es geht doch!“ Ich könnte ihn steinigen!
Schlage ihm dann kräftig auf die Schulter. Ein Pfundskerl, dieser Miggi Biner! Die Geburtstagsglückwünsche für meine Ulrike kommen eine Stunde früher, als angekündigt. Riesenfreude, Emotionen, Tränen.
Zwei Tage später bin ich wieder zu Hause. An meinem 61. Geburtstag. Oft werde ich gefragt, warum tust du dir das an? Warum setzt du dich den Gefahren aus? Was bringt dir das? Antworten darauf sind nicht leicht. Ich antworte gern mit Oscar Wilde:„Wirklich zu leben ist das Kostbarste. Die meisten Menschen existieren bloß.“
In diesem Sinne werde ich wieder in die Berge gehen. Solange ich es kann.

P.S.
Miggi Biner verunglückte im März 2007 tödlich. Ich werde ihn nie vergessen.





Beitrag von: Erich Wangerin
06.09.2007
Matterhorn- Nordwand- Besteigung 1975 (1975)
Besteigungsbericht

Als kleiner Bub sah ich auf einem Kalenderbild das Matterhorn und hatte von da an den Wunsch, diesen Berg zu besteigen.
Bedingt durch meine Zeit im Leistungssport als Langstreckler bei Bayer Krefeld-Uerdingen und als Radrennfahrer, konnte ich mir erst mit 44 Jahren meinen Wunsch erfüllen.



Gletscherabbruch am Einstieg

Auf der Hörnlihütte lernte ich Kurt kennen, ein toller, wilder Bursche. Wir passten gut zusammen. Den Hörnligrat begingen wir 1974 im Auf u. Abstieg in 4,15 Std. Es war bis dahin die schnellste Zeit einer Zweierseilschaft. Wir gingen immer gleichzeitig.


Im Einstiegseisfeld

Schon ein Jahr später, also 1975, durchstiegen wir die Matterhorn- Nordwand.


Am Ende des Eisfeldes

Zur Aktlimitation machten wir eine 3 Tagestour: Von der Monte-Rosa-Hütte auf den Lyskamm über die NO-Wand (Welzenbach- Route); Lyskamm- Überschreitung weiter über Castor und Pollux zum Schwarztorbiwak. Am nächsten Tag über alle 5 Breithorngipfel und Aufstieg zur Hörnlihütte.


Biwakplatz über der Wellenkuppe

Wegen eines Wettersturzes mussten wir in der Hütte 3 Tage ausharren. Dann endlich brachen wir um 12 Uhr nachts auf, suchten uns den Weg zum haushohen Abbruch des Matterhorngletschers.


Am Biwakplatz

Über das Einstiegseisfeld kamen wir gut voran, wir kletterten gleichzeitig. Schon bei der Travisierung zum Schrägcouloir stellten wir aber fest, die Wand war total von einer dünnen Eisschicht überzogen vom schlechten Wetter in den Vortagen.


Helicopteraufnahme vom Biwakplatz

Hinter uns gesellte sich noch eine Zweierseilschaft aus der Schweiz hinzu. Im Schrägcouloir gingen wir die „Pokorski- Variante“. Es waren mühselige Seillängen, ständig nur einige Millimeter im Eis auf Frontalzacken stehend.


Nordwandgesicht vom Rudi nach dem eiskalten Biwak

Oberhalb vom Schrägcouloir hatten wir große Schwierigkeiten zu überwinden. Im Eisschlauch über 60° war hartes Blankeis. Abends 22 Uhr, wir sind nun 22 Std. ohne große Pausen geklettert, biwakierten wir auf der Höhe unterhalb der Schulter.


In der über 60° steilen Eisrinne

Es war ein eiskaltes Biwak ohne Daunenzeug, halb am Seil hängend, an Schlaf war nicht zu denken. Aber die Beine und Arme ruhten, das gab uns die Kraft für den nächsten Tag.


Gipfelaufbau vom Heli

Schon bei Tagesgrauen kochten wir uns einen Tee und als die ersten Sonnenstrahlen uns erwärmten, waren wir schon in den Schwierigkeiten des Gipfelaufbaus. Hier donnerte neben uns eine Steinlawine vorbei die uns fast erschlagen hätte. Wie sich später am Gipfel herausstellte, war ein Hörnligratbegeher in die Nordwand ins Seil gefallen, hat sich ein Bein gebrochen und die Lawine ausgelöst. Und endlich legte sich die Wand zurück für die letzten Meter.


Die letzten Seillängen

Nach 36 Std. Körpereinsatz brutal, standen wir am Gipfelkreuz vom in diesem Augenblick nicht geliebten Matterhorn aber überglücklich.
Problemlos war der Abstieg über dem Hörnligrat. An der Solveihütte verständigten wir die Flugrettung für den verunfallten Bergsteiger auf dem Gipfel.
Und bei der Wanderung zum Schwarzsee kam richtig Freude auf, meine Liebe zum Matterhorn war auch wieder da.



Auf dem Gipfel des Matterhorns

Beitrag von: Rudi Christ
16.02.2007
Überschreitung (6.9.1993)
Besteigungsbericht

Matterhorn
Überschreitung Zmuttgrat – Hörnligrat

Dienstagabend, eine große alpine Unternehmung ist zu Ende gegangen, (...) von der Karsten sagte, dass sie in jeder Beziehung eine Steigerung unserer Tour auf den Großglockner war, und dass er auf weitere Steigerungen nicht erpicht sei! Dem kann ich nur beipflichten. Wir hatten Verluste, lernten neue Entbehrungen kennen, kämpften wie Besessene und waren schließlich glückliche, aber außerordentlich erschöpfte Sieger. Doch versuche ich nun, die Ereignisse chronologisch darzustellen.

Die Besteigung des gewaltigen Matterhorns war schon lange ein Traum von uns. Und es gab auch schon frühere Terminvorstellungen, und es gab auch potentielle Anwärter für eine größere Mannschaft. Ich bin aber sehr froh, dass wir zu zweit waren. Der Termin wurde von Karstens Dienstplan diktiert und obwohl das Wetter nicht ideal zu werden versprach, entschlossen wir uns zu einem Versuch.

Am Freitagabend trafen wir uns in Frankfurt am Main am Bahnhof (Karsten hatte eine halbe Stunde Verspätung) und dann tobten wir mit Karstens Auto südwärts. Es ist weit: 550 Kilometer. In Bern, noch im Dunkeln, frühstückten wir bei einem Konditor am Markt. Dann, im beginnenden Tag, nutzten wir die Autoverladung in Kandersteg, um ohne Umwege oder Passstraßen ins Wallis zu gelangen. Als wir den Zug, auf dem die Autos aufgereiht standen, verlassen sollten, mussten uns Mitreisende „wachhupen“. Wir parkten dann in einem Seitental und schliefen bis 11.00 Uhr. Dann fuhren wir zu den Visper-Tälern und bis nach Täsch. Die Straße führt durch ein wildes, oft schluchtartiges Tal mit schwindelerregenden Brückenkonstruktionen. In Täsch ist für Autos die Welt zu Ende. Zermatt kann man mit einer Bahn (teilweise Zahnrad), Elektromobilen oder Luftfahrzeugen erreichen. Wir packten also schwere Tourenrucksäcke und benutzen die Bahn nach Zermatt. Dieses ist ein Hotelort mit zugehöriger Einkaufsmeile, Elektrofahrzeugen, reger Beton-Bautätigkeit und zurückgedrängter Bergbauernfolklore.

Wir wanderten bergwärts, unter der Nordseite des Matterhorns hindurch auf den Schönbielgletscher, der mich mit seinen schier endlosen Steinschutthaufen stark an den Pamir erinnerte. Die Schönbielhütte steht für Matterhorntouren auf der "falschen" Seite des Gletschers. Die Querung desselben inklusive Auf- und Abstieg dauert mehrere Stunden. Also stiegen wir unter dem Nordwestgrat des Matterhorns (Zmuttgrat) bis kurz unter das Sattelli auf (2900m, 1200 m höher als Zermatt). Dort stellten wir das eigens hierfür angeschaffte (Wegwerf-)Zelt auf und schliefen wenig.
Als der Mond die Szene erleuchtete, frühstückten und packten wir. Wenig nach 5.00 Uhr gingen wir los. Zurück blieben ein Zelt und eine Boovmatte.

Zunächst kamen wir flott und ohne Verhauer voran. Ich schlitterte einmal eine Schneerinne arg schnell hinab. Wir ließen uns verführen, weiter rechts als vorgeschlagen den Firngrat zu erreichen. Das kostete Zeit: zum einen kamen wir in eine verschneite dachziegelartig geschichtete Felspartie, was die Anwendung des Seils erforderte, und dann hatten wir einen nervend steilen Firnanstieg zu meistern. Dies alles gelang ohne viel Verdruss. Für die weiteren Geschehnisse wesentlich ist, dass wir ab Zermatt drei Liter Getränke und vier Mandarinen mitführten, dabei ein Liter heißes Wasser für das erste Frühstück. Beim Anstieg zum Grat konnten wir 2,5 Liter Wasser "nachfassen", aber dann gab es Wasser nur noch gefroren.

Wir überkletterten dann die von unten so unscheinbaren Zmuttzähne und gelangten in luftiger Gratkletterei höher und höher. Es war sonnig, aber permanent pfiff ein eisiger Wind um den Grat.

Am späten Nachmittag wurde klar, dass der Gipfel an diesem Sonntag nicht mehr erreicht werden konnte: wir mussten biwakieren. Also suchten wir eine einigermaßen windgeschützte Stelle abseits des Grates (FN in der Westflanke, mit herrlichem Weitblick) und richteten am oberen Rand eines 60° steilen Firnhangs ein Biwak ein. Wir bauten Sicherungen für uns und alle mitgeführten Gegenstände, hackten eine Zwei-Personen-Sitzbank in das Eis und kuschelten uns in Schlaf- und Biwaksäcke. Wir haben zwar nicht gut geschlafen, aber erstaunlicherweise kaum gefroren. Da unsere Getränkevorräte nun knapp wurden und wegen des eisigen Windes die Sonne keine Rinnsale entstehen ließ, sammelten wir Schnee in einer Flasche und nahmen dieselbe mit in den Schlafsack. Da wir mit leichtem Gipfelsieg aus unserem auf 4000 Meter vorgeschobenen Lager rechneten, starteten wir erst, als sich die Sonne ankündigte. Wir kämpften uns dann Seillänge um Seillänge empor und erreichten bald wieder den sonnigen, aber entsetzlich windigen Grat und kamen nach 14.00 Uhr vollkommen allein auf dem Gipfel des Matterhorns an. Die grandiose Aussicht genossen wir nur kurz (Bilderbuchwetter!) und zum Fotografieren mussten wir uns zwingen; es war ein unverkennbarer Trend zur Reduzierung aller Handlungen auf Lebensnotwendiges zu erkennen. Entsetzlich. Es muss als Glücksfall gelten, wenn eine solche Fahrt ohne ernsten Unfall endet. Jeder hatte einmal den Pickel aus der Hand gleiten lassen (unvorstellbar, wenn er haltlos in die Tiefe geglitten wäre!), ich verlor einen Handschuh (wir hatten Reserve), keiner ließ beim Einrichten oder Verlassen des Biwaks einen Schuh fallen...

Wir machten uns dann an den Abstieg und kamen zunächst zügig voran. Wir benutzten den Hörnligrat, auf dem einige Partien den Gipfel erklommen und Spuren im Schnee hinterlassen hatten. Bei einem Abseilversuch von einem Block brach derselbe aus, doch Karsten konnte sich glücklich retten. An der Biwakhütte Solvay (4000m) glaubten wir noch, bis zur Hörnli-Hütte absteigen zu können. Gemeinsam mit vier Spaniern (FN: die vorgaben, sich auszukennen) seilten wir ab, gerieten aber von der Abseilpiste ab (oder dieselbe ist arg unkenntlich) und es ward Nacht, als wir auf einem Firnfeld ankamen. Nach vielem hin und her entschlossen wir uns erneut zu einem Biwak.

Die Spanier stiegen mit Lampen ab, kamen gegen 3.00 Uhr unten an der Hütte an. Wir fanden ein beinahe gemütliches Plätzchen, verbrachten einen Teil der Nacht halb sitzend, halb liegend; immerhin mussten wir uns nicht anseilen. Trinkwasserprobleme hatten wir freilich noch mehr als am Vortage. Der aufgehende Mond zeigte dann, dass verstärkt Wolken aus Italien herüberzogen. Das mahnte uns zur Eile. Zügig stiegen wir bei Mondschein ab, fanden Wegspuren. Aber dann zog es sich zu und begann fein zu schneien. Da wir nun keine Übersicht mehr hatten und zufällig an einem gerade genügend großen Loch vorbeikamen, schlüpften wir erneut in die Schlafsäcke und schliefen wirklich.

Am Morgen erkannten wir erleichtert: Klare Luft, Sonne, aber eben überall Neuschnee. Nach kaum zwei Stunden kamen wir zur Hörnli-Hütte. Frühstück gibt es dort erst ab 8.00 Uhr; solange warteten wir, um teuren Tee zu trinken, der in uns förmlich verdampfte. Der Weg zur Seilbahnstation ist mit zwei Stunden im Aufstieg angegeben; uns reichte diese Zeit für den Abstieg kaum. Es wurde uns lang und wir bewegten uns langsam.

In Zermatt setzten wir uns in ein Kaffee und bestellten paarweise Selters, Cola, Kaffee; das vertrieb das Durstgefühl beinahe für eine halbe Stunde. Bahnfahrt nach Täsch, Auto packen, Waschen am Bach, Fahrt talwärts, trinken. Wir fuhren das obere Rhonetal hinab: sehr steile oft kahle Berghänge (westalpin), breiter Talboden mit Burgen und Ruinen auf Hügeln. Dann mussten wir Weinbauern bei der Lese kaum merklich unterstützen. Das war jedenfalls die richtige Nahrung für uns: schön feucht. Wir kamen dann zügig nordwärts voran.

Vieles hat diese Tour gelehrt: Mit größerer Mannschaft kann man solche Unternehmungen aus Zeitgründen nicht machen. Nächstens nehmen wir nur einen winzigen Fotoapparat, keine Videokamera, weniger Kletterzeug, aber mehr (noch mehr) Wasser mit. Ich hatte Verdauungsstörungen mit Erbrechen (also das wenige Getränk auch noch vergeudet!) Das kann sowohl die Anstrengung als auch die fehlende Akklimatisation zur Ursache haben.

Auf der Verlustliste fehlen noch: zerrissene Jacken, zerrissene Hosen, geopferte Schlingen, eine abgestürzte Abseilacht. ...

Unser Zmuttgrat ist insgesamt eine schöne Tour: Firn- und Felsgrate, dazwischen aber auch alpines Schuttgeschröfe. Begangen wird der Weg aber eher selten, oder aber von seilfrei gehenden Spezialisten; wir fanden z.B. nur drei Haken. Und er ist ein starkes Beispiel für die Rückzugslosigkeit: Nach Überschreiten der Zmuttzähne kann man eigentlich nur noch aufwärts streben.

Noch nie zuvor hatte ich das Gefühl, mich in Lebensgefahr begeben zu haben. Beim ersten Biwak diskutierten wie eher scherzhaft den Einsatz eines Rettungshubschraubers (Helikopter und kleine Flugzeuge waren häufig und störend laut um uns). Beim Biwak während des Abstiegs musste ich immer an Tod durch Erschöpfung denken, der bei übertriebenen Bergabenteuern auch noch nach Erreichen der vermeintlich rettenden Hütte eintreten kann. Und beim Abstieg im Dunkeln hatte ich Angst vor Stolpern oder Fehltreten mit unklaren Folgen.

Ich habe fünf Kilogramm abgenommen.





Beitrag von: Karsten Müller
07.09.2006
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Bilder
Top of Matterhorn: Panoramablick auf die Monte Rosa Gruppe. Mehr Bilder von der Matterhorn Hochtour unter http://www.bergauf.ch/bergtouren/matterhorn

Beitrag von: Roland Aeschimann
19.01.2014

Matterhorn im Abendlicht vom kl. Matterhorn am 10.8.2013

Beitrag von: Thomas Woznik
14.09.2013

Matterhorn. More photos/videos on http://www.rzeszutko.net and http://www.beyond-the-4000.com

Beitrag von: Maciej Rzeszutko
30.08.2013

Matterhorn auf dem Grenzgletscher Richtung Monterosahütte aufgenommen

Beitrag von: Joachim Schreck
17.01.2013

Liskamm West und Ost mit Schatten der Dufourspitze und das Matterhorn

Beitrag von: Joachim Schreck
17.01.2013

Joe auf dem Grenzgletscherplateau, im Hintergrund das Matterhorn

Beitrag von: Joachim Schreck
17.01.2013

Liskamm West und Ost, Matterhorn, Dent Blanche und Ober Gabelhorn

Beitrag von: Joachim Schreck
17.01.2013

Olli, Martin und Jogi auf dem Grenzgletscher vor der am Matterhorn aufgehenden Sonne

Beitrag von: Joachim Schreck
17.01.2013

Der liebe Gott schenkt uns durch ein Wolkenloch noch einen letzten Blick aufs Matterhorn

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17.01.2013

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