Viertausender der Alpen

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  Dent du Géant (Pointe Sella) (4009 m)  
  Montblanc-Gruppe  
Photo © 4000er.de
Normalweg(e) Südwestwand  
Schwierigkeit S, V+ (oder ZS, III A0)
Ausgangspunkt Rifugio Torino (3371 m)
Talort Entrèves (1306 m)
Führer Mont-Blanc-Gruppe  
Hartmut Eberlein

Mont Blanc Massif (Vol.I)  
Lindsay Griffin
 
Karte(n) IGN 3630 OT
Chamonix
Institut Géographique National, 1:25000
Beiträge Rochefort-Grat mit Aiguille de Rochefort und Dent du Géant (19. Juli 2006)
Besteigungsbericht

Fast grotesk mutet der steile Zahn des Giganten an - zumindest für jene, die ihn das erste Mal erblicken. Am Ende eines ausgesetzten Grates - quasi als krönender Abschluss - ragt er bis auf knapp 4000 m Höhe hinauf. Eine Felskathedrale mit verschieden steilen Seiten - nach Süden teilweise überhängend, nach Südwesten eher gemäßigt. So verläuft auch die Route der Erstbegeher durch die Südwest-Wand, der heute die allermeisten Bergsteiger folgen. Mit Fixseilen versichert wird auch jenen hier der Gipfelerfolg möglich, die nicht im IV.-V. Grad am Fels unterwegs sind.


Dent du Géant und Aiguille de Rochefort

Für den 4000er-Sammler steht aber vor der Kür manchmal die Pflicht, die sich hier in Form der Aiguille de Rochefort manifestieren kann. Denn dies ist ein 4001 m hoher Gipfel in unmittelbarer Nachbarschaft zum Dent. Verbunden sind sie über den berühmten Rochefort-Grat, dessen Begehung allerdings mehr Kür als Pflicht ist. Für sehr schnelle Berggeher wäre noch der Dôme de Rochefort auf dem Tourenplan möglich in Verlängerung des Grates. Alle drei Gipfel an einem Tag hin- und zurück sind sicher machbar, dann erfordert es aber den Routinier und dazu stabiles Wetter bis in den späteren Nachmittag.

Ausgangspunkt für unsere Tour, die wir als erste Hochtour in diesem Bergsommer angehen, ist das Rifugio Torino. Wir wägen ab: Mit der Vallée-Blanche-Seilbahn abkürzen und dafür das Abendessen und zu Trinken selber mitbringen oder einen Fußmarsch von der Midi-Station zum Col du Géant. Bergsteiger sind bekanntlich faul, so investieren wir das Geld in die Betreibergesellschaft der Vallée-Blanche-Bahn. Nach deren Leistungserbringung finden wir uns wieder auf der Aussichtsplattform der Bergstation, genießen den Anblick dieser einzigartigen Hochgebirgswelt und studieren mit dem dort aufgestellten Fernrohr den Dent du Géant.


Lieber das Abendessen selber mitbringen und sich dafür von der Vallée-Blanche-Seilbahn transportieren lassen (letzte Schritte zum Rifugio Torino)

In der üblichen, nicht ganz entspannten Stimmung sitzen wir wenig später auf der Hüttenterrasse, essen unsere mitgebrachten Sachen, beobachten das Wetter, die Gipfel und nicht zuletzt die anderen Bergsteiger. Etwas müde sitzen wir da, als unerwartet Alexander Huber an uns vorbeiläuft. Zu diesem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, dass er einige Tage später eine Free-Solo-Durchsteigung der Südwand am Dent wagen wird.

Von Hüttenruhe kann man im Rifugio Torino nicht sprechen - die Bergsteiger aus aller Welt scheinen das nicht zu kennen. Da wird um 23 Uhr noch in Tüten geraschelt, Geschirr gespült und schon fast als vermisst gemeldete Möchtegernbergsteiger tauchen noch später auf und fangen lärmend an sich Essen zuzubereiten, anstatt sich verschämt ins Lager zu legen und den Mund zu halten. Seltsamerweise schnarcht niemand - liegt wahrscheinlich daran, dass keiner tief genug schläft. So empfindet man den Weckerton dann als befreiend, um aufbrechen zu dürfen in die Stille der Nacht, die Spannung zu lösen vor der Tour.

Einige Lichter von Stirnlampen sind schon ziemlich weit oben zu sehen. Wahrscheinlich wollen deren Träger weiter bis zum Col Jorasses. Im Anstieg zum Beginn des Rochefort-Grates kommt es zu den üblichen Effekten an begehrten Bergzielen: Überholmanöver, Orientierungslosigkeit, Steinschlag durch Vorausgehende etc. Plötzlich stehen wir dann doch im ersten Sonnenlicht staunend am Fuß des Zahnes. Während sich schon die ersten Kletterer aufmachen, in die noch schattige und kalte Südwestwand einzusteigen, stärken wir uns, um dann auf der Firnschneide des Rochefort-Grates der Sonne entgegen zu gehen.


Frühstücksplatz am Fuße des Dent du Géant

Von dem Ambiente - es ist noch tiefblauer Himmel, die Sonne ist blendend hell, die jahrelang angedachte Tour wird Wirklichkeit - bin ich innerlich sehr bewegt. Doch ich muss mich wieder konzentrieren auf den nächsten Schritt. Markus und ich gehen gleichzeitig am Seil, haben jeder ein paar Meter Seil in der Hand, um den möglichen Absturz auf dem Grat lehrbuchmäßig halten zu können. Ob das klappen würde? Was schreit man? Die Richtung, wo man hinfällt oder wo der Partner hinspringen soll? Die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten eines solchen Szenarios scheint jedoch gering, denn der Grat ist selten sehr ausgesetzt. Die Schwierigkeiten liegen eher in den kurzen felsigen Einlagen und vor allem beim eisigen Abstieg vom P. 3933, der durch ein nicht ausreichendes Fixseil etwas entschärft ist.


Am Beginn des Rochefort-Grates: Aiguille des Rochefort und P. 3933

Am Gipfelaufbau der Aiguille de Rochefort gehen wir noch gleichzeitig am Seil, lassen es um den einen oder anderen Zacken herumlaufen. Erste Bergsteiger kommen schon wieder vom Gipfel herab. Einer von ihnen beschwert sich bei mir, dass ich nicht auf die Entgegenkommenden warte, doch es gibt aus meiner Sicht keinen Grund dazu, da ich nicht in derselben Linie hochklettere. Plötzlich spüre ich beim Klettern einen kräftigen Ruck am Seil und sehe wie derjenige an meinem Seil zieht, um mich aufzuhalten. Wütend fahre ich ihn an, denn man zieht nun wirklich niemandem am Seil, wenn er daran im Vorstieg gesichert wird, auch wenn's nur IIer-Gelände ist. In einer solchen Situation glaubt man einfach nicht, was einem passiert...


Blick vom Gipfel der Aiguille de Rochefort zur Aiguille Verte

Bald ist dann der Gipfel erreicht und die Sache vergessen. Einige Bergsteiger teilen mit uns Zeit und Ort. Wir blicken in alle Richtungen und immer wieder zu dem Zahn, auf den wir noch hoch wollen. Ein wenig wäge ich ab, ob wir nicht noch zum Dôme de Rochefort gehen können. Doch die Zeit wäre zu knapp - der Dent du Géant hat Vorrang. Der Aufstieg auf die Aiguille de Rochefort und noch mehr der Abstieg sind weniger Kür: Ein schuttiger Gipfel mittlerweile. Im Abstieg müssen wir auch noch Steinschlag ausweichen, da ein Bergführer mit seinem Gast unbedingt einige Passagen abseilen muss, was ich als ziemlich rücksichtslos bis fahrlässig betrachte, da das Gelände nicht sonderlich schwer ist, dafür aber überall lose Steine herumliegen.


Abstieg durch die schuttige Flanke der Aiguille de Rochefort - einst sicher auch im Sommer alles von Firn bedeckt

Spätestens auf dem Rückweg bei höherem Sonnenstand fällt uns auf, dass der Rochefort-Grat wohl bereits viel von seiner Schönheit eingebüßt haben muss. Die globale Erwärmung lässt an vielen Stellen Eis und Fels herausschauen. Von der Streckenlänge besteht der Grat hauptsächlich aus Schnee und Eis - die Hauptzeit verbringt man aber in den kurzen Felspassagen und der Schlüsselstelle beim P. 3933.


Die unangenehme Stelle beim P. 3933

Bald sind wir wieder am Frühstücksplatz am Fuße des Dent. Zahlreiche Bergsteiger kommen von dem kühnen Gipfel herunter. Wir amüsieren uns, denn erst jetzt kommt die Sonne richtig auf die Südwestwand. Wir tanken noch etwas Kraft durch Pausieren und Essen, packen einen leichten Rucksack und starten dann mit Kletterschuhen an den Füßen. Die erste lange Seillänge führt Markus bis zur Plattform unter den Burgener Platten. Um die Ecke sichernd sehe ich ihn nicht mehr, während noch die letzten Leute vom Gipfel abseilen. Bis zur Plattform geht es recht zügig. Hier sind wir total beeindruckt von der grandiosen Wand vor der wir stehen. Wie ein spitzes Dreieck scheint der Gipfel in den Himmel zu ragen - ein berühmtes Bild, das wir nun mit eigenen Augen sehen. Es ist so als hätte man ein Gemälde hundert Mal in Abbildungen gesehen und steht dann im Museum vor dem Original - phantastisch! Einzig ein hässliches Tau stört das Bild - ich wäre dafür es abzuschneiden.


Die Burgener Platten am Dent du Géant mit neuen Fixseilen (Foto: Markus Tillmanns)

Die nächste Seillänge darf ich nun führen und bin begeistert von dem tollen Fels. Ich folge dem Risssystem in Fixseilnähe ohne natürlich selbiges zu nutzen. Allerdings greife ich auf die Bohrhaken als Zwischensicherungen zurück. An einer guten Standplatzmöglichkeit sichere ich Markus nach. Wir fotografieren uns gegenseitig. Der Fels ist warm und es ist sonnig. Die nächste Seillänge beginnt mit einer sehr kleingriffigen Passage. Markus folgt ebenfalls dem durch das Fixseil vorgegebenem Routenverlauf. Weiter oben brasselt er an einer Stelle ziemlich lange herum. Es ist die Schlüsselstelle in einer kleinen Verschneidung. Auch im Nachstieg habe ich etwas Mühe - Markus entschuldigt mich freundlicherweise mit dem Rucksack, den ich tragen muss. In der Tat, die Bewertung V+ für die Stelle scheint nicht übertrieben. Kurz darüber geht es mit etwas leichterer Verschneidungstechnik für mich im Vorstieg weiter Richtung Gipfel.


Arbeiten an der Schlüsselverschneidung

Die Route entwickelt sich nun zu einer kurzen und kurzweiligen Gratkletterei, bei der der Partner schnell nicht mehr zu sehen ist. Man kommt an der Abseilstelle (zwei Bohrhaken) in die Südwand vorbei und schaut bald danach über die Pointe Sella hinüber zum höchsten Punkt mit der Madonnenfigur, vor der ich fast für den Bruchteil einer Sekunde erschrecke. Der Übergang zwischen den nah beieinandanderliegenden Gipfeln ist entschärft durch ein Stück Fixseil, da die meisten Bergsteiger wahrscheinlich den kurzen Kamin zur Rechten übersehen und sich sonst einer kaum abkletterbaren Stelle gegenübersähen. Auf den höchsten Punkt ist es dann nicht mehr schwer. Ganz alleine haben wir den Zahn nun für uns. Fast merkt man nicht, auf welch exponiertem Gipfel man sich befindet. Wir staunen über die Blitzschäden auf der Madonnenfigur und machen uns dann bald zum Abstieg bereit. Wir sind etwas in Zweifel, ob die zwei Bohrhaken wirklich den Einstieg in die Abseilpiste bedeuten und beschließen daher, auf der Aufstiegsroute zu bleiben. Etwas Unprofessionalität beim Seilhandling führt zur Strafe dazu, dass sich das Seil auf den Burgener Platten verheddert. Ich hoffe, dass uns niemand von der Bergstation der Seilbahn aus mit dem Fernrohr bei dieser Abseilaktion beobachtet...


Markus und der blitzgeschädigte Madonnenkopf (rechts im Hintergrund das Massiv der Grandes Jorasses)

Ansonsten können wir uns auf dem Rückweg zum Rifugio Torino an diesem freundlichen Nachmittag Zeit lassen, da wir die Bahn ohnehin nicht mehr bekommen. Stattdessen gibt es ein schlechtes Abendessen auf dem Rifugio, das uns diesen tollen Tag aber nicht mehr verderben kann.


Eine klasse Tour liegt hinter uns!

Beitrag von: Daniel Roth
04.11.2006
Dent du Geant et Rochefort: super weekend (2004/09/04)
Besteigungsbericht

The normal route to the Dent is in perfect condition: dry and warm in the afternoon: let's go to climb it. The Rochefort Arete is completely snow covered. Ice only for 30 meters, descending from 3933 gipfel. Rocks of Aiguille are dry but very dangerous for instability.

Beitrag von: Francesco Rotanodari
07.09.2004
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Bilder
Hüttenabend am Rifugio Torino: Wird er anderntags gelingen?

Beitrag von: Daniel Roth
07.08.2006
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